Blick in unser Trauerbuch

Das neue Buch über Trauer: Wenn Trauer spricht. Erfahrungen aus einem Trauerchat. 

Seit mehr als fünf Jahren gibt es unseren Trauerchat. Mittlerweile dreimal in der Woche treffen sich hier Trauernde mit unserem Trauerbegleiter Kai Sender. Sie tauschen ihre Erfahrungen aus, ihre Ängste und Sorgen. Im Lauf der Zeit kommt eine ganze Menge an Tipps und Hinweisen zusammen, die sich Trauernde gegenseitig geben.

Aus dieser Erfahrung haben wir ein Trauerbuch herausgegeben, dass die Welt der Trauerliteratur ergänzt. In diesem Buch findest Du die Fragen der Trauernden und ihre Antworten darauf.

Hier verspricht niemand, dass die Trauer leicht wird oder dass nach einem Jahr alles überstanden ist. Es sind keine perfekt formulierten Sätze, sondern die ganze Vielfalt aus dem Bereich der Trauer und aus Sicht der Betroffenen selbst. Dieses Buch ist voller Verständnis für jeden Menschen in Trauer und ein idealer Ratgeber, weil es nichts beschönigt und trotzdem Mut macht! Das zeigen auch die sehr guten Kritiken, die unser Buch in der kurzen Zeit schon erhalten hat.

Hier ein kurzer Auszug:

WO SIND MEINE FREUNDE?

Ich habe das Gefühl gerade, dass alle denken, also meine Freunde, ich bin schon drüber hinweg. Am Anfang wurde fast täglich gefragt, ob alles gut ist, ob ich was brauche, etc. Das hat nun nach gerade mal einem Monat schon total nachgelassen. Ich habe nun wirklich das Gefühl, komplett allein zu sein, obwohl ich es eigentlich nicht bin. Ich habe keinen Partner oder Kinder und ich würde mir wünschen, dass die Menschen noch immer fragen, wie es mir geht. Aber das tun sie nicht. Niemand ruft mehr an. Und besuchen kommt mich auch keiner. Von wegen „Ich bin immer für Dich da!“ – Pustekuchen! Wo sind nur meine Freunde?

In unserer Trauer erleben wir oft, dass bisher bekannte und für uns eigentlich feststehende Erkenntnisse über den Haufen geworfen werden. Das gilt besonders für den Umgang mit uns nahestehenden Menschen. Unsere besten Freunde, unsere Verwandten und Bekannten, von denen wir ganz sicher Hilfe erwarten, sind oft nicht zur Stelle, wenn wir sie brauchen.

Heißt es noch zur Trauerfeier, „Du kannst mich jederzeit anrufen“ oder „Wenn Du Hilfe brauchst, ich bin für Dich da“, dann ziehen sich diese Menschen zurück und wir fühlen uns alleingelassen. Es kommt kein Anruf, kein Besuch. Und wenn wir dann selbst Kontakt aufnehmen, was uns gerade in der Zeit der Trauer nicht immer leichtfällt, erleben wir eine Enttäuschung, weil der Angesprochene gerade keine Zeit hat oder uns nicht die Hilfe gibt, die wir von ihm erwarten.

Oft fehlt unserem Freundeskreis das Verständnis für unsere Nöte. Sie wissen nichts von unseren Gefühlsschwankungen oder davon, dass wir uns selbst zeitweise nicht im Klaren darüber sind, was wir gerade benötigen oder was uns einfach guttun würde.

Sie trauen sich nicht, zu uns zu kommen, weil sie meinen, sie müssten uns von unserem Kummer befreien, aber nicht wissen, wie das gehen kann. Diese Unsicherheit führt gelegentlich zu Missverständnissen und in der Folge zu Verletzungen, die teilweise so schlimm sind, dass Freundschaften auseinandergehen. Dabei meinen es unsere Freunde, von denen wir uns enttäuscht fühlen, nicht böse. Sie sind oft einfach überfordert mit der Situation der Trauer – genauso wie wir selbst.

Möglicherweise erinnert sie unsere Trauer an selbst erlebte schwere Zeiten, die sie am liebsten vergessen würden. Weil es sie so schmerzt, daran zu denken, oder weil sie glauben, uns nicht helfen zu können, ziehen sie sich zurück. So werden Trauernde gerade in der Zeit, in der sie am nötigsten Hilfe brauchen, alleine gelassen.

Auf der anderen Seite erhalten wir möglicherweise gerade von Menschen, bei denen wir es nicht erwartet hätten, eine große Hilfe, spüren ihr Beileid und hören von Ihnen genau das, was wir gerade brauchen. Wir hätten nie damit gerechnet, dass ausgerechnet sie es sind, die uns Mut machen können. 

Oft finden wir Trauernden uns mit dieser Situation einfach ab, weil wir keine Kraft finden, es gegenüber unseren Freunden anzusprechen. Das müssen wir auch nicht. Wir dürfen uns in der Trauer zurückziehen. Gleichwohl lohnt sich oft ein Gespräch mit unseren Freunden und Bekannten darüber, was wir gerade empfinden oder wie unsicher wir uns fühlen. 

So können Missverständnisse ausgeräumt werden. Und es bleiben vielleicht Freundschaften erhalten, die sonst kaputtgehen würden. Das berichten immer wieder Trauernde in unseren Chats, die montags, dienstags und donnerstags stattfinden. Wenn wir die Dinge, die uns beschäftigen, benennen, dann geben wir unserem Freundeskreis die Möglichkeit, uns beizustehen. Nutzen wir diese Chance, sobald wir dazu bereit sind. Wir dürfen die Hilfe ruhig einfordern! Das Recht haben wir, denn wir sind in Trauer und es geht uns schlecht.

> Menschen, die einem den Rücken zuwenden, wenn man in Trauer ist ... Die sind keine wirklichen Freunde. Die Menschen, die bleiben, sind Freunde fürs Leben, weil sie bereit sind, mit einem auch durch traurige Zeiten zu gehen. Das schreibe ich, weil ich beides erlebt habe – Leute, die gehen, und Leute, die bleiben und mit einem den Weg in ein verändertes Leben gehen.

> Ich merke auch, wie ich in letzter Zeit sehr aggressiv auf alles und jeden reagiere. Aber es hat auch noch niemand seine Eltern in meinem Freundeskreis verloren. Ich glaube, sowas kann man erst nachvollziehen, wenn man das selbst durch gemacht hat. Das erschreckt meine Freunde wahrscheinlich.

> Ich habe Kinder, Enkel und Freunde, aber wirklich helfen tut das nicht, wenn ich allein zu Hause bin. Mein Therapeut sagt, ich solle die Leute aktiv ansprechen. Aber ich habe das Gefühl, dass die Freunde sich dadurch bedrängt fühlen.

> Gerade jetzt ist es ganz wichtig, dass man Hilfe annimmt und nicht allein ist. Jetzt würde man die Freunde brauchen. In den schlechten Zeiten.

Wie war das so bei euch? Unsere Freunde haben halt selbst Kinder und fühlen sich dann bei unserem Anblick daran erinnert, dass das Glück nicht selbstverständlich ist und auch plötzlich zu Ende sein kann. Das wollen sie nicht wahrhaben. Unser Unglück ist zwar nicht ansteckend, aber die rosa Brille soll halt nicht zerbrechen.

Ich habe damals ganz oft die Telefonseelsorge angerufen, weil ich meinen Freunden nicht auf die Nerven fallen wollte. Heute weiß ich, dass es falsch war. Ich hätte sie einfach ansprechen sollen: „Was ist mit Euch los? Warum meldet Ihr Euch nicht?“ Sowas in der Art.

Meine Schwiegermutter hat mir gesagt, es sei meine Schuld, dass ich das Kind verloren habe. Ich hätte nicht zum dem Kind gestanden. Ich hätte mich nicht genug gefreut. Als sie mir das gesagt hatte, bin ich weinend zusammengebrochen. Seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr. Sie hat zwar danach angerufen und gesagt, sie habe das nicht so gemeint. Aber ich habe ihr gesagt, dass ich nie wieder etwas mit ihr zu tun haben möchte. Solche "Freunde" brauche ich nicht.

 

Kai Sender: Wenn Trauer spricht. Erfahrungen aus einem Trauerchat. 
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: BoD - Books on Demand
ISBN-10: 3748139977
24,90 Euro oder als eBook 16,99 Euro
Überall, wo es Bücher gibt.

Einen Blick ins Buch gibt es hier: https://amzn.to/2mLLIZ5


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Autor: Kai Sender
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